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| Kürbiskernöl - das grüne Gold der südlichen Steiermark |
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Kürbiskernöl ist ein Öl, das aus den getrockneten Samenkernen des Kürbisses gepresst wird. Es ist sehr dickflüssig und hat eine dunkelgrüne, fast schwarze Farbe. Neben seiner hauptsächlichen Verwendung als Salatöl wird es auch für diverse medizinische Hausmittel verwendet.
Es hat einen angenehmen Geschmack, der vor allem in seiner Hauptanbaugegend der Steiermark sehr geschätzt wird. Andere Gegenden stehen dem Kürbiskernöl eher etwas skeptisch (vor allem wegen seiner dunklen Farbe) gegenüber, aber immer mehr wird es auch in der restlichen Welt als Spezialität anerkannt und geschätzt. |
Geschichte
Bereits die Griechen und die Römer kannten und schätzten den Kürbis. Dabei handelte es sich aber nicht um den gemeinen Kürbis (Cucurbita pepo) sondern um seine pflanzlichen Verwandten, wie zum Beispiel die Melonen und die Flaschenkürbisse. Auch in China gab es schon weit vor unserer Zeitrechnung Berichte über verschiedene Kürbisarten. Den letzten wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge dürfte der Kürbis vom texanischen Kürbis (Cucurbita texana) abstammen. Die texanischen Indianer aßen schon die Kerne des Kürbis, die damals allerdings noch etwas bitterer geschmeckt haben dürften, genauso wie das Fruchtfleisch. Erst nach und nach entstanden bitterstoffarme bzw. bitterstofffreie Sorten. Dadurch gewann der Kürbis an Bedeutung als Nahrungsmittel: Die Blätter als Gemüse, die Früchte roh, gekocht und getrocknet. Die Kerne wurden frisch oder in getrockneter Form gegessen und die Blüten als Nachspeise verzehrt. |
Von Ausgrabungen, die man auf 6000 bis 4000 v. Chr. datiert, weiß man, dass die Indianer in dieser Zeit die Kürbisse nicht nur verspeisten sondern auch diverse Haushaltsgeräte fertigten, wie zum Beispiel Vorratsflaschen aus den Flaschenkürbissen, Löffel, Schöpfer, Ess- und Vorratsgefäße. Auch als Schwimmbojen beim Fischfang und als Musikinstrumente dienten sie. Christoph Columbus schließlich brachte die Kulturform nach Europa. Schon nach wenigen Jahrzehnten war der Kürbis über ganz Süd- und Mitteleuropa verbreitet.
Der steirische Ölkürbis, der auch schalenloser Ölkürbis genannt wird, ist eine Mutationsform, bei der die vier äußeren Zellschichten der Samenschale nicht verholzt und verdickt sind. Das bewirkt das typisch oliv- bis dunkelgrüne Aussehen.
Der Anbau des "schalenlosen" steirischen Ölkürbis wird erst seit etwa 100 Jahren betrieben. |
Inhaltsstoffe und Eigenschaften des Kürbiskernöles
Biologisch wertvolle Fettsäuren (ca. 50% Linolsäure), Vitamin-A, B1, B2, B6, C, D und vor allem Vitamin E, Mineralstoffe - Phosphor, Kalium, Kalzium, Magnesium, Eisen, Kupfer, Mangan, Selen und Zink.Phytosterine - diesen sagt man pharmakologische Wirkung bei Prostataleiden sowie cholesterinsenkende Wirkung nach. Kürbiskernöl hat einen angenehmen, nussartigen Geschmack und wird nicht, wie andere Speiseöle, raffiniert. Schonendes Rösten und Pressen bei niedrigen Temperaturen verleihen den typischen Geschmack und garantieren leichte Verdaulichkeit. |
Medizinisches
Das Fett der Kürbiskerne zählt zu den wertvollsten Pflanzenfetten. Die in hohem Maß vorhandenen ungesättigten Fettsäuren sind eine wichtige Ergänzung für eine vollwertige Ernährung. Sie müssen dem Körper regelmäßig zugeführt werden. Dabei beeinflussen sie wesentlich die Funktion der Transportvorgänge, enzymatische Reaktionen und zelluläre Immunreaktionen im Körper.
Durch die günstige Fettsäurekombination ist Kürbiskernfett auch leicht verdaulich. Dem hohen Gehalt an Phytosterinen schreibt man die äußerst positive Wirkung auf Prostataleiden zu. Den Phytosterinen wird auch eine cholesterinsenkende Wirkung nachgesagt. Einzigartig im Pflanzenreich ist der hohe Gehalt an Squalen, es gilt daher auch als Leitsubstanz und wird zum Nachweis von Verfälschungen verwendet. Squalen beeinflusst ebenfalls den Cholesterinhaushalt positiv. |
Citrullin ist eine Aminosäure, die als Katalysator bei der Harnstoffbildung im Rahmen des Zwischenstoffwechsels wirkt. Durch diesen beschleunigten Ammoniakabbau wird das Gewebe vermehrt entwässert und Ödeme schwellen leichter ab. Die Aminosäure Cucurbitin soll gegen Bandwürmer helfen.Kalium wirkt entwässernd und Selen beeinflußt Erkrankungen der Harnwege sehr positiv.Vitamin E ist besonders wirksam bei Herz-Kreislauferkrankungen, Sterilität, Neigung zu Frühgeburten, Muskelschwund, klimakterischen Beschwerden und Bindegewebsveränderungen, wie z.B. Prostatahypertrophie.
Der Vitamin B-Komplex spielt im Körper eine bedeutende Rolle für Nerven und Stoffwechsel.
Die Carotinoide, die in hohen Konzentrationen vorkommen, werden erfolgreich bei der Behandlung von Funktionsstörungen der Blase und der Harnwege eingesetzt. |
Ernte und Verarbeitung der Kürbispflanze
Ab Ende September bis Ende Oktober findet die Ernte statt.
In vielen kleineren Betrieben in der Steiermark wird der Kürbis noch händisch geerntet. Dabei werden die Kürbisse auf dem Acker oder am Bauernhof mit einem Hausmesser geteilt und die Kerne werden mit der Hand von der Frucht gelöst. Diese Art der Ernte ist äußerst schonend und es gibt nur wenig Ernteverluste, dafür aber ist sie sehr arbeitsaufwendig.
Die maschinelle Ernte wurde schon vor 1970 in der Weststeiermark von Landwirten in Zusammenarbeit mit ortsansässigen Handwerksbetrieben entwickelt. Diese maschinelle Ernte wird mit traktorengezogenen, zapfwellengetriebenen Maschinen durchgeführt. |
Seit 1989 sind auch die ersten sogenannten Pick-up-Vorrichtungen im Einsatz, wodurch man die Kürbisse automatisch auf die Erntemaschine laden kann. Bei modernen Maschinen ist der Ernteverlust inzwischen auf weniger als 10 Prozent reduziert.
Nach der Ernte werden die Kerne sofort gewaschen, um sie vom anhaftenden Fruchtfleisch zu befreien. Ungewaschene Kerne beginnen im Sammelbehälter sehr schnell zu gären, verlieren mit der Haut ihre typische Grünfärbung und werden weiß.
Die handgeernteten Kerne werden meist auf Rosten an der Sonne 1-2 Wochen lang getrocknet. Maschinell geerntete Kerne werden in Flachrostanlagen bei 50 bis 60 Grad Celsius getrocknet. Das Öl wird dann nach Bedarf frisch gepresst. |
Der Press-Vorgang
Pro Liter Öl werden ca. 2,5 kg Kerne vermahlen und mit Wasser und Salz zu einem Brei geknetet. Salz fördert die Trennung von Fett und Eiweiß. Die sterzige Masse röstet der Pressmeister etwa 1/2 Stunde bei 60 Grad Celsius, bis das Wasser verdampft ist. Das in den Kernen enthaltene Öl wird dadurch aufgeschlossen. Schließlich kommt die Masse in die Presse. Zwischen zwei Metallplatten wird das Kürbiskernöl bei einem Druck von 300 bis 350 bar gewonnen. Die Schwebteile lässt man ca. eine Woche absitzen. |
Kulinarisches
Jeder Kenner liebt es, den Salat mit Kürbiskernöl zu veredeln. Aber Vorsicht: nur 100prozentiges Kürbiskernöl gibt den vollen nussigen Geschmack und die herrlich braun-grüne Färbung des Salates, wobei nur ignorante Spötter vom "steirischen Motoröl" sprechen, echte Steirer genießen es einfach.
Salatöl hingegen ist eine Mischung von 5 bis 50 Prozent Kürbiskernöl mit weißem Öl.
Topfenaufstrich, abgemacht mit Kürbiskernöl und geriebenen Kürbiskernen schmeckt im Buschenschank aber auch zu Hause ganz hervorragend!
Natürlich gibt es viele weitere Kernölrezepte. |
Wo kann man diese Rarität kaufen ?
In der Steiermark, wo der "Ölkürbis" eines der Hauptanbauprodukte ist, kann das Kürbiskernöl, in den ländlichen Gegenden, bei sehr vielen Landwirten direkt bezogen werden. Aber auch in Bioläden, ausgesuchten Lebensmittelgeschäften oder in der Gastronomie ist das so genannte "grüne Gold" erhältlich. |
Um garantiert 100%iges Kürbiskernöl (das heißt: nicht verdünnt oder verschnitten) zu bekommen, sollte man auf die Bezeichnung achten. Es gibt übrigens eine Zertifizierung für 100% reines steirisches Kürbiskernöl. Nur Öl, dass in der Steiermark aus dem steirischen Ölkürbis erzeugt wurde und unverfälscht abgefüllt wird, darf den Namen "Steirisches Kürbiskernöl" tragen. Man sollte wissen, dass Kürbisse aus anderen Anbaugebieten (wegen der besonderen Bodenverhältnisse) nicht dieselbe Qualität liefern.
Der Kauf direkt beim Landwirt oder beim einheimischen Ölmüller sind am ehesten die Garantie, reines Kürbiskernöl zu bekommen. |
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