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Chronik der Marktgemeinde Großklein
 
Die Prähistorische Höhensiedlung am Burgstallkogel

Blick auf den BurgstallkogelDer Burgstallkogel (458 m) ist die höchste Erhebung eines 16 km langen West - Ost verlaufenden Riedels und liegt am Zusammenfluss von Sulm und Saggau. Auf ihm befand sich einst eine ausgedehnte, ca. 5 Hektar große urnenfelder- und hallstattzeitliche Höhensiedlung. Sie zählte zu den bedeutendsten politischen und wirtschaftlichen Zentren des Alpenraums. Dies wird vor allem anhand der außergewöhnlich reichen Ausstattung der vier sogenannten Fürstengräber in Kleinklein greifbar. Bei archäologischen Grabungen auf der Burgstallkuppe in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurden zahlreiche Hausgrundrisse, Herdstellen und Abfallgruben aufgedeckt, die das Bild dicht verbauter Siedlungsterrassen vermitteln. Von besonderem Interesse ist der Nachweis eines senkrechten 3,70 m breiten Gewichtswebstuhles. Dieser stellt den bislang größten hallstattzeitlichen Senkrechtwebstuhl Mitteleuropas dar und ermöglichte die Herstellung ca. 3 m breiter Textilien.
 
Die Sulmtalnekropole

TumuliDie mit der prähistorischen Siedlung am Burgstall zeitgleiche sogenannte Sulmtalnekropole (nekropole=altgr. "Totenstadt") umfasste einstmals wohl an die 2000 Grabhügel (Tumuli). Die heute noch mehr als 700 erhaltenen Tumuli stellen das größte hallstattzeitliche Hügelgräberfeld des Ostalpenraums dar. In ihrem Ursprung reicht die Nekropole noch an den Ausgang der Urnenfelderzeit zurück. Es handelt sich ausnahmslos um Brandbestattungen. Den Toten wurden als Ess- und Trinkgeschirr oft zahlreiche Keramikgefäße mitgegeben. Zum Teil wurde die Keramik auch, wie vorwiegend die übrigen Beigaben (Trachtbestandteile, Waffen etc.) mitverbrannt. Die Nekropole liegt nahezu rund um die Siedlung am Burgstallkogel mit Abständen von 800 bis 1000 m und diente einfachen, aber doch wohlhabenden Leuten und der Kriegerschicht als Begräbnisplatz. Innerhalb der Nekropole finden sich auch immer wieder besonders große Tumuli, in denen man die Grabstätten einer gehobenen sozialen Schicht erkennen kann. Leider standen bzw. stehen die Grabhügel immer wieder im Zentrum illegaler Grabungstätigkeiten, was einen erheblichen Informationsverlust zur Geschichte der Region bedeutet.
 
Die Fürstengräber von Kleinklein

Bronzenes AntennenschwertIn der Sulmtalnekropole werden insgesamt vier Grabhügel als sogenannte "Fürstengräber" angesprochen. Sie unterscheiden sich von den übrigen durch ihre stattliche Größe, ihre exponierte Lage und ihr reiches Grabinventar. Die vier Großgrabhügel liegen südostlich des Burgstallkogels in einem Umkreis von ca. 400 m in der Talebene der Saggau, räumlich getrennt von den übrigen Hügelgräbern und ca. 2000 m Luftlinie von der Siedlung entfernt. Bei den vier Prunkgräbern in Kleinklein handelt es sich um die Hartnermichelkogel I und II, den Pommerkogel und den Kröll-Schmiedkogel. Aus letzterem stammen unter anderem die weltberühmte bronzene Gesichtsmaske mit den bronzenen Handblechen, ein bronzener Glockenpanzer und ein bronzener Doppelkammhelm. Ebenfalls einen bronzenen Glockenpanzer und teilweise reich verzierte, qualitätsvolle Bronzegefäße beherbergte der Pommerkogel. Die Funde aus den Fürtengräbern sind heute Teil der archäologischen Dauerausstellung des Steiermärkischen Landesmuseums Joanneum im Schloss Eggenberg (Graz).
 
Landeshauptfrau Waltraud Klasnic bei der Markterhebungsfeier 1991 in Großklein.Den Kern der Gemeinde bilden die Ortschaften Großklein und Kleinklein. Der Ortskern von Großklein ist in seiner heutigen Form in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts entstanden. 1860 existierten in der Gemeinde 2 Mautmühlen, 2 Stampfen und 7 Hausmühlen. Ein Wundarzt hatte sich hier niedergelassen und eine 3-klassige gemischte Volksschule sorgte für die Bildung der Kinder. Im Rahmen einer Gemeindezusammenlegung im Jahre 1969 kam die Ortschaft Oberfahrenbach zur Gemeinde Großklein, wodurch diese zur Großgemeinde wurde. Durch das wirtschaftliche Aufstreben und die infrastrukturelle Entwicklung in den letzten 20 Jahren wurde Großklein zum Schul- und Einkaufszentrum der Region und wurde mit Mai 1991 zum Markt erhoben.
 
Großklein - ein komischer Ortsname?
 
Sprachexperten vertreten über die Herkunft der Ortsnamen Großklein bzw. Kleinklein verschiedene Meinungen.
 
Bisher geläufige Variante:

Großklein im Jahre 1898Die Gemeindebezeichnung lautete ursprünglich auf Klein, die Ortschaften hießen jedoch Großklein, Kleinklein usw. Dadurch kam es immer Wieder zu Verwechslungen und Nachfragen. In der Sitzung vom 19. April 1968 beschloss daher der Gemeinderat die Änderung des Gemeindenamens von Klein auf Großklein.

Die Bedeutung des Wortes Klein lässt sich nicht eindeutig klären. Trotz unterschiedlicher Schreibweise in den schriftlichen Quellen wie z.B. Klvne (1170), Clewen (1290) oder Klawn (1406) ist die plausibelste Worterklärung, dass Klein vom slawischen glina (= Lehm) abgeleitet wird (z.B. auch: Gleinstätten).
Mit der deutschen Besiedelung ab dem 10. Jahrhundert und der Assimilierung der seit dem Frühmittelalter hier beheimateten Alpenslawen ging der Wortsinn von glina verloren und mutierte schließlich zu Klein. Im Stockurbar der Herrschaft Arnfels von ca. 1500 ist bereits von Wenig-Klein die Rede.
Seit dem 15. Jahrhundert wird zwischen Michel Klawn (michel = groß) und Wenig Klawn (wenig = klein) unterschieden. Die Wortschöpfungen Großklein und Kleinklein stammen aus jüngerer Zeit.
 
Neueste Variante:
(nach einer vom renommierten Sprachwissenschaftler Univ. Prof. i.R. Mag. Dr. Fritz Lochner aus Hüttenbach durchgeführten Forschung)


Jedem, dem das Saggautal nicht vertraut ist, fallen die Namen der Dörfer Großklein und Kleinklein auf. Dass hier nicht das Eigenschaftswort klein vorliegt, ist klar. Die Bezeichnung Klein ist slawischer Herkunft. Der Absicht, im zweiten Teil unserer Namen sei ein slowenisches glima "Lehm, Ton, Letten" zu sehen (so K. Kniely S. 5) oder ein slowenisches klin "Keil, Bolzen" (mehrfach in der Ortsnamengebung zu finden, dies nimmt F. Bezlay I S. 260 an), widersprechen deutlich die urkundlichen Formen, die bei Namensdeutungen stets heranzuziehen sind: es heißt 1170 in Klune sancti Georgi (gemeint ist hier St. Georgen an der Stiefing), 1170 dotes .. Clune aput sanctum Georium, 1295 Chleun, ca. 1300 Chleven, 1380 Chlein, 1406 Michel Klaewn, ca. 1490 Wenig Klein (mittelhochdeutsch michel "groß", wenic "klein, gering"), Klune ist sicher zu slowen. kljun "Schnabel" zu stellen und bezieht sich auf eine Flur, die einem Vogelschnabel ähnlich ist. (so E. Staudinger und ANB S. 600). Solche Namen nach der Form eines Ackers, einer Wiese, eines Waldes oder sonst einer unbewohnten Örtlichkeit kommen häufig vor (J.Schnetz S. 39).
Großklein und Kleinklein liegen in unmittelbarer Nähe der Saggau, die auch dem Dorf Saggau ihren Namen gegeben hat. Der Flussname ist immer der ältere, wie zahllose Beispiele zeigen. In Saggau finden wir einen Bachnamen aus der Zeit vor der slawischen und vor der bairischen Besiedlung. Urkundlich ist überliefert 1096 - 1105 curtim ... et ecclesiam ad Saccha, 1144 B. de Saecha, 1170 basilicas ... in Saccha sanct Johannis baptiste, 1181 predium in Sacca. Der Name enthält die indogermanische Wortwurzel *sec- "abrinnen, versiegen, ist als ursprüngliches *Sokkia anzusetzen und wurde später mit dem Zusatz althochdeutsch aha "Wasserlauf, Fluss versehen ANB S. 902). Das Bett der Saggau ist in trockenen, heißen Sommern gelegentlich wasserlos (J. A. Janisch III759): dies ist eine ausgezeichnete Realprobe zur Herleitung des Bachnamens von einem Wort, dessen Bedeutung "abrinnen, versiegen" gewesen ist. Auch der Paninkbach (1439 Panik an der Lusen, ca. 1460 bey Poniken), der westlich von Eibiswald in die Saggau mündet, ist nach dem gelegentlichen Verschwinden dieses Gewässers bezeichnet worden. Der Name gehört zu slowen. ponikniti "versinken, verschwinden", ponikva "Stelle, wo sich das Wasser in die Erde verliert, Ort, wo ein Fluss unterirdisch verschwindet" (F. Bezlaj I 183).
Westlich von Großklein liegen die Häuser von Ober- und Untergoldes. 1408 ist Goldes, 1436 im Goldes urkundlich genannt. Dieser Name ist wohl mit slowen. golt "Schlund", goltec "Schlund für versiegendes Wasser" zu verknüpfen, ein Wort, das in der Namengebung Sloweniens nicht selten ist (F. Bezlaj IS.183). Wieder findet sich das Bestimmungsmotiv des unter der Erde versickernden Baches.
Der bei Kleinklein in die Saggau mündende Pleschenbach hat seinen Namen von einer Flur, die unbewaldet gewesen ist: slowen, ples , plesa "kahle Stelle, kahle leere Bodenfläche, ungeackert galassene Stelle im Feld", ein Wort, das in den Namen der Steiermark sehr häufig ist (vgl. B. Mader Nr. 356).
Südwestlich von Großklein befindet sich die Siedlung Radiga, 1322 die Ratigoy, 1397 Ratigo, 1436 Radiga. Hier liegt als Besitzer- oder Hofname der einfache, aus dem Slowenischen stammende Personenname Radigoj vor (A. Webinger S. 4, K. Kniely S. 29, B. Mader Nr. 417). Östlich von Radiga auf den Anhöhen über dem Saggautal sieht man die Häuser von Lassenberg, Raumberg und Stermitz. Diese Namen sind slawischer Herkunft. In Lassenberg (1448 Lassenperg bzw. 1406 im Lassen) ist slowen. laz "Rodung, Gereut, lichte Stelle im Wald" enthalten, in Raumberg (urkundlich nicht früh genannt) slowen. raven, ravna "Ebene, flaches Land" /K. Kniely S. 29: B. Mader Nr. 255). Stermitz (1406 Stoermetz) beruht auf slowen. strmec "steiler Abhang, abschüssiges Gelände" (B. Mader Nr. 504)
   
   
   
 
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